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Zu Lasten der Familien
Standpunkt: Zu Lasten der Familien
Dass die Bundesregierung vor gewaltigen Sparanstrengungen steht, dürfte
sich mittlerweile herumgesprochen haben. Neu ist, dass ausgerechnet die
Familien zu den ersten Opfern der verfassungsmäßig verbrieften
Schuldenbremse gehören könnten. Familienministerin Kristina Schröder
will das Elterngeld von 14 auf 16 Monate ausweiten, wenn sich der Vater
entsprechend länger um den Nachwuchs kümmert. Auch ein Teilelterngeld
ist geplant.
Doch jetzt winkt Schröders CDU-Parteifreund Wolfgang Schäuble ab. Zu
teuer, sagen die Experten des Bundeskassenwarts. Wieder einmal zeigt
sich, dass der Koalitionsvertrag kaum das Papier wert ist, auf dem er
gedruckt steht. Denn darin sind Verbesserungen auch beim Elterngeld
angekündigt. Für die Betroffenen dürfte nur schwer nachvollziehbar
sein, warum die Bundesregierung noch zum Jahresanfang rund vier
Milliarden Euro zur Erhöhung des Kindergelds locker machen konnte, aber
250 Millionen Euro für die Elterngeld-Pläne jetzt nicht aufzutreiben
sind. Die Schieflage der Staatsfinanzen war schließlich schon im Januar
kein Geheimnis mehr.
Wenn die Bundesregierung die Familien stärken will, wie sie immer
wieder in Sonntagsreden erklärt, dann muss sie Prioritäten in der
Praxis setzen. Die Novelle des Elterngeldes gehört zu den wenigen
Schlüsselprojekten der Familienministerin. Sie sollte dafür auch
kämpfen. Am Besten ginge das, wenn sie die Bundeskanzlerin auf ihrer
Seite hätte. Doch Angela Merkel ist eine Meisterin im Aussitzen von
Problemen. Beim Elterngeld wird sie allerdings bald Farbe bekennen
müssen.

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